Zorros Geschichte

Zehn Jahre ging alles gut 

Zorro kam mit neun Wochen zu mir, voller Flöhe und Ohrmilben, die sich aber gut behandeln ließen. Dann hatte er lange Zeit ungeklärten Durchfall, sämtliche Tests und Untersuchungen ergaben keine Ursache; wohlmöglich lag es an der Futterumstellung, obwohl er dasselbe Futter wie auf der Pflegestelle bekam. Geholfen hat ihm nach mehreren Wochen Antibiotika endlich ein Mittel aus der Humanmedizin: Perenterol. Dann wurde er mit neun Monaten kastriert und es folgten zehn Jahre ohne gesundheitliche Einschränkungen und ohne Tierarztbesuch. Als reine Wohnungskatze ließ ich ihn auch nach der Grundimmunisierung nicht mehr impfen.

Die Diagnose

Als er elf Jahre alt war fiel mir plötzlich auf, dass ich ihn nur noch am Wassernapf gesehen habe, die Pieselklumpen im Katzenklo immer größer wurden und er sich ansonsten sehr zurück zog. Alarmiert durch Lisas CNI ließ ich ihm baldmöglichst Blut abnehmen und stand dann überrascht vor dem Ergebnis: Glukose war stark erhöht, mein Kater hatte Zucker! Erst traf mich das schlechte Gewissen, ihn zu sehr mit Leckerchen verwöhnt zu haben, dann musste ich ganz schnell meine Spritzenphobie überwinden, denn Zorro brauchte ab jetzt zweimal am Tag eine Insulinspritze. Die Tierärztin zeigte mir einmal mit NaCl, wie es gemacht wird und ich wurde mit Spritzen, Caninsulin und Urinteststreifen nach Hause entlassen. Auch im Urin hatte er Glukose, was die Diagnose bestätigte und zum Glück keine Ketone, die zu einer gefürchteten Stoffwechselentgleisung (DKA) führen könnten. Am Abend bekam er dann seine erste Spritze mit 2 IE Caninsulin. Mein Mann Klaus half mir, ihn festzuhalten, was dringend nötig war, denn Zorro war "not amused" und fauchte und kratzte. Dann warteten wir voller Spannung die nächsten vier Stunden ab, in denen wir ihn lt. Tierärztin besonders im Auge behalten sollten. Traubenzucker und die Telefonnummer der nächsten Tierklinik lagen bereit, aber es passierte nichts.

Nach dem ersten Schock

In meiner Verzweiflung suchte ich Informationen im Internet und stiess ziemlich schnell auf eine deutsche Seite, wo von Fruktosaminwert, Hometesting und Somogyi die Rede war. Ich las von Tierärzten, die nicht besonders gut über Katzendiabetes Bescheid wüssten und über zu hohe und gefährliche Startdosierungen. Dadurch erkannte ich, dass ich die Anweisungen von Tierärzten überdenken und ggf. anzweifeln sollte und es am sichersten wäre, wenn ich selbst den Blutzucker meines Katers zuhause messen könnte. Also besorgte ich mir einen Glukometer - ein für Menschen ausgelegtes Blutzuckermessgerät, das besonders wenig Blut benötigt - und begann vorsichtig meinen Kater an das Hometesten zu gewöhnen. Die ersten Versuche waren zugegebenermaßen eine Katastrophe: ich war nervös, Klaus war nervös und Zorro war angespannt, weil wir so nervös waren. Sein Ohr schien blutleer zu sein und nach mehreren erfolglosen Versuchen gaben wir entnervt auf und Zorro versteckte sich erstmal. Aber wir ließen nicht locker, zu wichtig war es den aktuellen Blutzuckerwert nach einer Insulingabe zu kennen. Wir wärmten das Ohr mit einer Reissocke an, massierten es und stellen die Stechhilfe höher ein, probierten alle Tipps aus dem Internet aus. Es dauerte über eine Woche Übung, bis wir endlich regelmäßig Zorros BZ messen konnten. Er war leider immer viel zu hoch.

Der Wechsel von Caninsulin zu Lantus

Zorros Behandlung spielte sich in den folgenden Wochen gut ein, er wurde immer kooperativer und wir konnten uns Dank Hometesting ein genaues Bild von der Wirkung des Caninsulins bei ihm machen. Das Problem bei ihm war, dass er schon immer ein "Nibbler" war, also den ganzen Tag Zugang zum Futter hatte und es sich in vielen kleinen Portionen einteilte. Dem Wirkprofil von Caninsulin kam das nicht entgegen, er hätte zwei große Mahlzeiten zu den Spritzen fressen sollen, was ich ihm aber nicht angewöhnen konnte. So sank sein BZ in den ersten Stunden ziemlich schnell um dann ebenso schnell wieder anzusteigen, was ziemlich unbefriedigend war. Die wenigen akzeptablen BZ-Werte hatte er nur einen Bruchteil des Tages, aber er sollte doch den ganzen Tag über bessere Werte haben. Eine kleine Veränderung brachte die Futterumstellung auf hochwertigere Sorten als sein gewohntes Supermarktfutter, aber auch damit blieben die BZ-Werte im Endeffekt viel zu hoch.

Durch andere Katzenhalter, die ich über Internetforen kennengelernt hatte, hörte ich von dem Insulin Lantus und dass man seine Katze damit ganz anders einstellen könne als mit Caninsulin. Kurzentschlossen besorgte ich mir ein Rezept dafür und stellte Zorro darauf um. Schon in den ersten Tagen bemerkte ich eine Verbesserung seines Allgemeinzustandes, er wurde wieder aktiver und wehrte sich gegen die Angriffe von Moritz (der versuchte immer wieder, die Chefposition zu bekommen). Seine BZ-Werte sanken langsam, aber beständig. Durch die lange Wirkung und das flache Wirkprofil von Lantus war es auch möglich, ihn fast im Bereich der BZ-Werte von gesunden Katzen einzustellen, was unter Caninsulin zu gefährlich gewesen wäre. Durch diese optimale Einstellung erholten sich auch seine Betazellen wieder und der Insulinbedarf sank. Ich konnte nach einigen Monaten mit Lantus die Dosis von Woche zu Woche reduzieren bei gleichbleibend guten BZ-Werten. Zum Schluß setzte ich das Insulin ab und er kam ohne aus, da war die Freude groß! Jetzt war Zorro in Remission und ich war mir bewusst, dass dieser Zustand nicht ewig währen muss und durch falsches Futter, Infekte oder andere Krankheiten wieder unterbrochen werden kann. Ich kontrollierte noch weiterhin regelmäßig seinen BZ, wobei die Abstände immer größer wurden.

Heute

Schon während Zorros Einstellung mit Lantus war ich von dem Erfolg so begeistert und von den Vorteilen von Lantus überzeugt, dass ich die Yahoo-Mailingliste "Lantus-Katzen" gründete, welche später in ein Internetforum umzog. Hier wird noch heute Katzenhaltern von vielen erfahrenen Foris bei der Insulineinstellung ihrer Katzen geholfen. Es hat mir sehr viel Freude gemacht, durch die Erfahrungen mit Zorro auch anderen Katzen helfen zu können und viele von ihnen virtuell in die Remission  begleiten zu dürfen. Wäre Zorro nicht 2004 an Diabetes erkrankt, hätte ich mich wahrscheinlich nie mit diesem Thema beschäftigt.

Zorro war fast fünf Jahre in Remission und brauchte kein Insulin. Ich achtete weiterhin auf eine kohlenhydratarme Ernährung und liess regelmäßig sein Blut untersuchen. Leider haben die vielen Wochen mit hohen BZ-Werten auch Folgen gehabt und er litt seit 2004 an CNI, deren Verlauf ich aber mit verschiedenen Maßnahmen verlangsamen konnte. Er hatte zudem einen leichten Grauen Star, Arthrose und seit 2007 eine SDÜ. Trotz dieser Einschränkungen genoss er sein Seniorenkaterleben noch in vollen Zügen und ich war froh über jedenTag in seiner Gesellschaft.

Unvergessen

Wir mussten Zorro nach kurzer, schwerer Krankheit am 17.11.09 gehen lassen. Er hatte Krebs. Wir konnten zuhause von ihm Abschied nehmen.
_____________________________________________________

Die Daten

Datum der Diagnose:

April 2004

Alter:

11 Jahre (*1.8.1992)

Gewicht:

6 kg

Sonstiges:

kastrierter EKH-Kater, Wohnungshaltung

Kein Cortison bekommen, nie Ketone entwickelt

Fütterung vor der Diagnose:

Whiskas und Kitekat, immer Trockenfutter zur Verfügung, reichlich Knabberstangen

Fütterung nach der Diagnose:

Nassfutter ohne Getreide und Zucker (Animonda, Miamor, Schmusy, Porta21, Bozita), kein TroFu, kaum Leckerchen, ab und zu gekochtes Huhn und rohes Eigelb, Taurin

Insuline:

Caninsulin ab April 2004 über sechs Wochen

Lantus Juni 2004 bis Dezember 2004

Remission:

Dezember 2004

BZ-Werte (Zorros Diabetestagebuch)

© 2009 - 2012 Barbara Eimbeck