Erste Hilfe nach der Diagnose

Du hast gerade die Diagnose Diabetes für deine Katze bekommen und bist verwirrt und überfordert? Hier findest du die wichtigsten Infos in Form einer Checkliste:

Wie sicher ist die Diagnose?

  • Katzen können auf Stress und Aufregung mit hohem BZ reagieren, darum ist ein in der TA-Praxis gemessener BZ-Wert nicht eindeutig und eine in der TA-Praxis vorgenomme Einstellung selten erfolgreich.
  • Ist der Fruktosaminwert erhöht oder Glukose im Urin?
  • Wurde eine Schilddrüsenüberfunktion ausgeschlossen (T4 Wert)?

Ursachenforschung

  • Bekam die Katze vorher Cortison oder Megestrolacetat?
  • Sind die Zähne in Ordnung?
  • Hat sie eine Blasenentzündung?
  • Bekommt sie Trockenfutter?
  • Ist die Verdauung ok, erbricht sie (EPI, Pankreatitis)?

Behandlung

  • Welche Spritzen habe ich: U-40, U-100, ml-Spritzen?
  • Die Startdosis sollte in den ersten zwei Wochen 2 IE nicht überschreiten (Caninsulin)
  • Insulin zweimal täglich im Abstand von zwölf Stunden, vorher Füttern
  • Sind Ketone im Urin?

Was gehört zur Grundausstattung?

  • Insulin: verkauft der TA, Lantus und Levemir gibt es in Apotheken auf Rezept
  • Spritzen: gibt der TA auch mit, es müssen die passenden für dein Insulin sein (U-40 für Caninsulin, U-100 für Lantus / Levemir; ml-Spritzen sind unprofessionell!)
  • Traubenzucker oder Jubin gibt es in der Apotheke
  • Urintesttreifen: Ketostix oder Ketodiastix (Apotheke)
  • Geeignetes Futter: kein TroFu, normales Nassfutter ohne Getreide, Zucker, pflanzliche Nebenerzeugnisse und Soßen

Für Hometesting:

  • Ein Glukometer, das wenig Blut benötigt (z.B. Contour von Bayer, Freestyle Lite von Abbott, Akku Check Aviva von Roche)
  • Dazu passende Sensoren (Teststäbchen)
  • Stechhilfe
  • Lanzetten für die Stechhilfe
  • Vaseline, bei Bedarf Traumeelsalbe
  • Papiertaschentuch oder Wattepad
  • Wärmekissen oder Reissocke zum Ohr anwärmen
  • Leckerchen zur Belohnung (z.B. Käserolli)

 Was muss ich beachten?

  • Zuviel Insulin kann eine lebensbedrohliche Unterzuckerung hervorrufen. Das kann z.B. passieren, wenn die Katze ihr Futter wieder erbricht oder die Dosis zu hoch ist, aber auch bei übermäßiger Anstrengung oder verändertem Insulinbedarf. In diesem Fall braucht sie Traubenzucker (zur Not auch Honig) und Futter. Ist die Katze bewusstlos, muss sie schnellstens zum TA gebracht werden. Man kann ihr dann Honig oder Traubenzucker auf das Zahnfleisch reiben.
    • Anzeichen für eine Hypo sind: Unruhe, Miauen, Torkeln, Orientierungslosigkeit, Schwäche, plötzlicher Heißhunger, Agressivität, Verstecken, Krämpfe, Bewusstlosigkeit 
  • Das Wirkmaximum von Caninsulin liegt bei vier bis sechs Stunden nach der Spritze, in dieser Zeit sollte die Katze beobachtet oder noch besser: ihr BZ gemessen werden.
  • Ketone im Urin können jederzeit auftreten und zu einer lebensgefährlichen Ketoaszidose (DKA) führen. Bei Infekten ist die Ketongefahr zusätzlich erhöht. Tägliches Messen mit Unrinteststreifen minimiert diese Gefahr. Beim Auftreten von Ketonen kann man sie mit mehr Futter, mehr Wasser und mehr Insulin behandeln. In schweren Fällen muss der TA Infusionen und Antibiotika geben.
  • Insulin muss vor Wärme und Licht geschützt aufbewahrt werden und darf nicht gefrieren. Man darf es auch nicht schütteln. Mischinsuline wie Caninsulin werden in der Hand gerollt.

Was kostet das alles?

  • Caninsulin: 5,- bis 7,- € für 2,5 ml (40 IE/ml)
  • Lantus: ca. 50,- € für 3 x 3 ml (100 IE/ml)
  • Levemir: ca. 75,- € für 5 x  3ml (100 IE/ml)
  • Ein Glukometer-Set mit Stechhilfe, Lanzetten und fünf Teststreifen ist schon für 5,- € zu bekommen, oft auch gratis über die HP der Hersteller. Die Teststreifen kann man günstig bei Ebay ersteigern (ca. 20,- € für 50 Stk.).
  • Eine Packung Spritzen kostet ca. 20,- € für 100 Stk.
  • Ketonteststreifen unter 10,- € 50 Stk.
  • Lanzetten ca. 10,- € 100 Stk.
  • Hochwertiges Futter ist im Endeffekt nicht teurer als Supermarktfutter, weil die Katze weniger Menge davon braucht um satt zu werden.
  • TA-Besuche werden mit Hometesting unnötig, eine halbjährliche Blutuntersuchung reicht aus.

Was bedeutet ...?

  • AB - Antibiotikum
  • Betazellen - Insulinproduzierende Zellen in den Langerhansschen Inseln der Bauchspeicheldrüse
  • BSD - Bauchspeicheldrüse, Pankreas
  • BZ - Blutzucker
  • CNI - Chronische Nieren Insuffizienz
  • DM - Diabetes Mellitus
  • DKA - Diabetische Ketoazidose
  • EPI - Exokrine Pankreas Insuffizienz
  • Fruktosamin - Stressunabhängiger Blutwert zur Bestimmung der durchschnittlichen Glukosemenge der letzten zwei Wochen im Blut
  • Glukometer - Gerät zur Blutzuckermessung
  • Glukosetoxizität - Zu hohe BZ-Werte schädigen die Betazellen der BSD
  • HHS - Hyperglykämisches hyperosmolares Syndrom, Stoffwechselentgleisung bei Überzucker ohne Ketone
  • Hometesting - Messung des BZ mit einem Glukometer zuhause
  • Honeymoon - Remission, insulinfreie Zeit bei Diabetikern
  • Hyperglykämie - zu hohe BZ-Werte
  • Hypoglykämie - zu tiefe BZ-Werte, Unterzuckerung
  • IE - Internationale Einheit, Messgröße für Insulin
  • Insulinresistenz - Kaum oder keine Reaktion auf Insulin
  • Ketone - Abbauprodukte des Fettstoffwechsels, können zu DKA führen
  • Nadir - Tiefster Wert einer Blutzuckerkurve
  • Pankreatitis - Entzündung der Bauchspeicheldrüse
  • Pre - Blutzuckerwert vor der Insulinspritze
  • Remission - Zustand ohne Insulinbedarf 14 Tage nach einer Insulinbehandlung
  • SDÜ - Schilddrüsenüberfunktion, Hyperthyreose
  • T4 - Blutwert zur Bestimmung der Schilddrüsenfunktion
  • TA - Tierarzt
  • Tagesprofil - Messung einer Blutzuckerkurve über zwölf Stunden im Abstand von zwei bis drei Stunden

© 2009 - 2012 Barbara Eimbeck